Vorbemerkung: Solange von Zähnen mit Rissen oder Teilfrakturen gesprochen wird, handelt es sich korrekterweise um Zahninfraktionen. Deshalb wird, wo immer angezeigt, im folgenden Text dieser Begriff verwendet.

Mit immer moderneren Methoden in Therapie und Prophylaxe helfen Zahnärzte ihren Patienten, die Zähne länger zu behalten. Weil Menschen heute länger leben, aber öfter Stress ausgesetzt sind, steigt auch das Risiko von Zahninfraktionen. Pressen, Knirschen und Kauen auf harten Gegenständen machen die Zähne über die Jahre anfällig für Risse oder Frakturen. Rissige Zähne können verschiedene Symptome hervorrufen, wie Schmerzen beim Kauen (die manchmal aufhören, sobald man den Zahn entlastet) oder Schmerzen, wenn der Zahn extremen Temperaturen ausgesetzt ist. In vielen Fällen kann der Schmerz kommen und wieder verschwinden, und es kann deshalb schwierig sein, den Zahn, welcher die Probleme hervorruft, zu finden.

Infraktierte Zähne können manchmal besonders schwierig zu diagnostizieren sein, und eine mehr oder weniger komplizierte Wurzelbehandlung kann eventuell notwendig werden, um den Zahn zu erhalten. Deshalb wurden Sie zu uns überwiesen.

Schmerzen von infraktierten Zähnen kommen oft vom Weichgewebe im Inneren des Zahnes, der sog. Pulpa. Eine Wurzelbehandlung kann in diesem Fall die Schmerzen beheben. Frühes Erkennen von Zahninfraktionen ist sehr wichtig. Zahninfraktionen verhalten sich wie Risse in einer
Windschutzscheibe: Oft fangen sie klein an und vergrössern sich nur langsam. Je früher ein Riss in einem Zahn erkannt und behandelt wird, um so grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Zahn erhalten werden kann. Die Erfahrung und Spezialausbildung eines Endodontologen können hilfreich sein, wenn eine Zahninfraktion vermutet wird.

Um zu verstehen, weshalb ein infraktierter Zahn schmerzt, sollte man ein wenig über den Aufbau eines Zahnes wissen. Im Zahninneren, unter dem Zahnschmelz und einer weiteren Schicht, die man als Dentin oder Zahnbein bezeichnet, befindet sich das Zahnmark, die sog. Pulpa. Die Pulpa besteht aus Bindegewebe und ist durchsetzt mit Blutgefässen und Nerven. Wenn nun die äusseren harten Zahnschichten eine Fraktur aufweisen, kann Kauen eine Bewegung der durch den Riss getrennten Zahnstücke bewirken, und die Pulpa kann dadurch irritiert werden. Sobald der Kaudruck nachlässt, kann sich der Riss schliessen und damit einen kurzen, aber starken Schmerz auslösen. Diese Irritation der Pulpa wird beim Kauen oft wiederholt. Früher oder später kommt es zum Punkt, wo sich die Pulpa nicht mehr selbst heilen kann. Der Zahn wird dann nicht mehr nur beim Kauen, sondern auch als Reaktion auf starke Temperaturveränderungen schmerzen. Mit der Zeit kann ein frakturierter Zahn auch beginnen, ohne ersichtlichen Grund weh zu tun. Ausgedehnte Risse im Zahnhartgewebe können zu einer Infektion der Pulpa führen, die sich bis in den umliegenden Knochen und das Zahnfleisch ausbreiten kann.

Es gibt verschiedene Arten von Zahnfrakturen. Die Behandlung und deren Ausgang für Ihren Zahn hängt von der Art der Fraktur, der Stelle, wo sich der Riss befindet, sowie auch von der Ausdehnung der Fraktur ab:

Schmelzrisse sind feine Frakturlinien im äusseren Zahnschmelz. Diese kleinen Risse sind sehr verbreitet in Zähnen von Erwachsenen. Schmelzrisse sind nicht tief, verursachen keinen Schmerz und sind kein Grund zur Sorge. Manche Leute empfinden sie als ästhetisch störend.

Höckerfraktur

Wenn ein Höcker (der zugespitzte Teil auf der Kaufläche des Zahnes) überbeansprucht wird, kann er brechen. Der frakturierte Höcker kann je nach dem von selbst ganz herausbrechen, oder das gebrochene Stück muss vom Zahnarzt entfernt werden. Wenn das passiert, hört der Schmerz in der Regel auf. Eine Höckerfraktur schädigt die Pulpa nur selten, eine Wurzelbehandlung ist deshalb nur selten nötig. Ihr Zahnarzt wird den Zahn üblicherweise mit einer Krone oder einer Aufbaufüllung versorgen.

Angebrochener (teilfakturierter) Zahn

Diese Fraktur verläuft von der Kaufläche des Zahns vertikal zur Wurzel. Manchmal kann sich der Riss bis an die Zahnfleischgrenze oder, in schwereren Fällen, bis zur Wurzel ausdehnen. Ein angebrochener Zahn ist (noch) nicht in zwei Hälften getrennt. Wegen der Stelle des Risses sind Schädigungen der Pulpa häufig. Eine Wurzelbehandlung ist demnach oft nötig, um den Zahn zu erhalten. Ihr Zahnarzt wird dann den Zahn mit einer Krone versorgen, um diesen zusammenzuhalten und zu schützen.

Ein frühes Erkennen eines solchen Problems ist wichtig. Sogar mit starker Vergrösserung und speziellem Licht (Endodontologie-Spezialisten verwenden ein Operationsmikroskop) ist es oft schwierig, die Ausdehnung eines solchen Risses abzuschätzen. Der Zustand eines angebrochenen Zahnes wird sich zunehmend verschlechtern, wenn er nicht behandelt wird. Dies kann zum Verlust dieses Zahnes führen. Frühe Diagnose und Behandlung sind Grundvoraussetzung für die Erhaltung solcher Zähne.

Gebrochener Zahn

Ein komplett gebrochener Zahn ist oft das Endresultat eines angebrochenen Zahnes. Bei einem gebrochenen Zahn können die durch den Riss getrennten Segmente frei bewegt werden. Ein gebrochener Zahn kann nie ganz erhalten werden. Je nach Ausdehnung und Verlauf der Frakturlinie kann der Zahn jedoch eventuell teilweise erhalten werden. In diesen seltenen Fällen kann eine Wurzelbehandlung mit anschliessender Kronenversorgung durchgeführt werden.

Vertikale Zahnfraktur

Man spricht von einer vertikalen Zahnfraktur, wenn der Frakturspalt von der Wurzel zur Kaufläche hin verläuft. Vertikale Zahnfrakturen zeigen oft nur minimale Symptome und können deshalb über eine gewisse Zeit unentdeckt bleiben. Oft merkt man diese Art der Zahnfraktur erst, wenn der umliegende Knochen und das Zahnfleisch entzündet sind. Die Behandlung umfasst üblicherweise die Extraktion des Zahnes. Endodontische Chirurgie kann allerdings manchmal helfen, den Zahn zu retten, falls nur ein Wurzelstück entfernt werden muss.

Anders als ein gebrochener Knochen heilt ein frakturierter Zahn nie, d. h. das Zahnhartgewebe wächst nicht mehr zusammen. Trotz Behandlung können gewisse Risse weiter wachsen, was schliesslich zum Verlust des Zahnes führen kann. Die Versorgung eines frakturierten Zahnes mit einer Krone bietet zwar den bestmöglichen Schutz, kann aber die langfristige Erhaltung des Zahnes auch nicht garantieren.

Die Behandlung Ihres frakturierten Zahnes ist wichtig, weil dadurch der Schmerz bekämpft und die Wahrscheinlichkeit, dass der Riss sich weiter vergrössert reduziert wird. In den allermeisten Fällen können frakturierte Zähne, die früh genug behandelt werden, noch viele Jahre im Mund verbleiben und die Kaufunktion aufrechterhalten.

In Anlehnung an Informationstexte der amerikanischen Endodontiegesellschaft.

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